Ich habe den Tag wieder in meinem bisherigen Lieblings-Bagelshop in Riga begonnen. Es gab erneut einen Bagel mit Ei, Bacon, Frischkäse und Tomate. Die Tomate war irgendwie auch noch dabei, also immerhin ein kleines bisschen Gesundes.
Dort und später auch im Zug habe ich in meinem Buch gelesen: In einem Zug von Daniel Glattauer. Ich merke gerade, dass ich auf Reisen viel eher in Lesestimmung komme. In München finde ich normalerweise nicht die Zeit dafür oder möchte mir die Zeit nicht nehmen, weil immer irgendetwas anderes los ist. Im Zug dagegen ist es viel entspannter. Ich sitze einfach da und lese.
Nach dem Frühstück bin ich mit einem Regionalzug nach Ķemeri gefahren, zum Ķemeri-Nationalpark direkt außerhalb von Riga. Eigentlich hatte ich dort eine Airbnb-Erfahrung gebucht, aber ich habe es irgendwie vermasselt, weil ich dachte: Ach, das kann ich später noch buchen. Später war sie dann ausgebucht. Das hat mich zunächst ein bisschen traurig gemacht.
Dann dachte ich mir aber: Gut, dann mache ich eben das Beste daraus. Ich habe online nach meinen Möglichkeiten gesucht und gesehen, dass man auch einfach mit dem Zug hinfahren kann. Wahrscheinlich war es eine andere Route als bei der geplanten Tour – und eigentlich war es auch keine richtige Wanderung, sondern eher ein längerer Spaziergang.
Dort führte der Weg durch das Große Ķemeri-Moor, eine weitläufige Moorlandschaft. Durch das ganze Gebiet verliefen Holzstege, damit man nicht direkt auf dem Boden laufen musste – was ohnehin nicht möglich gewesen wäre, weil es dort extrem nass war.
Es war sehr ruhig. Ich habe nur einen Hund gesehen und eine Familie, die aus irgendeinem unerklärlichen Grund einen Lautsprecher mitgebracht hatte. Ich habe sie einfach eine Weile vorbeiziehen lassen und bin dann weitergegangen, bis ich die Musik nicht mehr hören musste.
Von einem Aussichtspunkt aus konnte man weit über das Moor schauen. Überall war nur diese sehr niedrige Vegetation zu sehen, die offenbar nicht viel höher wächst. Außerdem flogen viele Libellen knapp über der Wasseroberfläche herum. Das sah man auch auf den Bildern. Insgesamt war es einfach ein sehr angenehmer Ausflug.
Als ich wieder in Riga war, habe ich mir am Nachmittag noch einen zweiten Bagel geholt. Es war weder wirklich Mittagessen- noch Abendessenzeit, also dachte ich mir: Warum nicht noch einmal dorthin gehen und meine Freundin ein bisschen neidisch machen?
Danach habe ich einen kurzen Mittagsschlaf gemacht und bin später wieder in die Stadt gegangen. Ich war in einem Selbstbedienungsrestaurant, das ich schon ein paar Mal gesehen hatte und das offenbar einen guten Ruf hat. Ich glaube, es war das erste Selbstbedienungsrestaurant, in dem ich jemals auf Reisen war. Auf dem Foto sieht das Essen zwar nicht besonders lecker aus, eher wie eine einzige homogene Masse, aber geschmeckt hat es trotzdem. Wie authentisch lettisch es war, weiß ich allerdings nicht.
Während der Abendstunden bin ich noch zur Lettischen Akademie der Wissenschaften gelaufen. Das Gebäude erinnerte mich sehr an dieses Gebäude, das die Russische Föderation Polen geschenkt hat. Ich habe meinem polnischen Freund ein Foto geschickt, und er meinte auch, dass es stark nach russischer Architektur aussieht. Im Sonnenlicht sah es aber wirklich beeindruckend aus, deshalb musste ich ein Bild davon machen.
Und dann flogen noch die Möwen aus einer dunkel aussehenden Wolke heraus. Das war ebenfalls ein ziemlich cooles Fotomotiv.
Damit war mein Abend eigentlich abgeschlossen. Am nächsten Tag sollte es weiter nach Vilnius gehen.